"So, da bin ich wieder.", sagt mein Lehrer, "Frau L. müsste auch gleich kommen."
Minuten vergehen, wir schweigen.
Schritte durchbrechen die Stille und es klopft an der Tür...
"Hallo.", sagt Frau L. Sie lächelt, aber an ihren Augen merke ich, dass sie sehr besorgt ist.
Sie setzt sich auf den Stuhl neben mir und wirft meinem Lehrer einen traurigen Blick zu.
Er versucht ein Gespräch anzufangen, was bei ihm sonst immer sehr schnell geht.
"Ich und Frau L. haben uns unterhalten...", sagt er, "Ich habe ihr von deinen Narben erzählt."
"Mhm.", sage ich abwesend.
"Wir haben darüber nachgedacht, ob..."
"Ob?", frage ich nach einer Weile nach.
Er zögert etwas, also übernimmt Frau L. das Gespräch.
"Ob du dich vielleicht selbstverletzt?"
Ich bin wie versteinert, rühre mich nicht. Ich habe einen Kloß im Hals
und langsam kommen mir die Tränen.
Nein, ich kann doch nicht vor einem Lehrer weinen... Vor zwei Lehrern.
Wer weiß was sie dann über mich denken. Psychisch krank, wie die anderen?
"Wir haben übrigens darüber nachgedacht, ob du vielleicht ein Problem mit deiner Psyche hast..."
Ha, da war es. "Ein Problem mit deiner Psyche" Übersetzt: Psychisch krank.
Oder wie meine Klassenkameraden sagen: Emo.
"Warum machst du das? Was ist passiert das es dir so schlecht geht?"
Sie durchlöchern mich mit fragen, doch als sie merken,
dass ich ihnen keine Antwort geben werde, kommt es hart auf hart:
"Weißt du eigentlich was passieren könnte, wenn du zu tief hineinschneidest?
Weißt du, dass du dann ins Krankenhaus kommst?
Und das, wenn du Glück hast! Höchstwahrscheinlich stirbst du!"
Sie hatten keine Ahnung, was diese Worte bei mir auslösten...
Feige stürme ich aus dem Klassenzimmer.
